Erfahrungsbericht aus Malaysia
Angekommen in Malaysia, in Kuala Lumpur am Flughafen, bot sich mir der erste Schock. Es war unglaublich warm und schwül und es dauerte einige Tage, bis ich mit den Temperaturen zurechtkam. Doch schon vom Flugzeug aus bot sich mir eine unglaubliche Landschaft. Palmplantagen soweit das Auge reichte. Meine erste Taxifahrt begann recht lustig. Ich war zwar sehr sehr müde, das schien den Taxifahrer aber nicht zu stören. Er erzählte munter vom Leben in Malaysia, von seinen Besuchen im Ausland und erklärte mir alles wichtige, was man bei der ersten Ankunft, todmüde, wissen sollte. So erfuhr ich von der Geschichte Malaysias, wann sie unter Kolonialherrschaft standen und ab wann Singapur eigenständiger Staat wurde. Außerdem erfuhr ich die Bedeutung der Farben und Zeichen auf der Flagge und ich durfte unermüdlich Namen von Städten aussprechen, bis der Fahrer einigermaßen zufrieden mit meiner Aussprache war. So begann mein erster Tag in Malaysia.
Schon am zweiten Tag stellte ich fest wie freundlich ich von den Menschen behandelt wurde. Ich erntete einige fragende Blicke und meine Anwesenheit löste in dem Viertel, in dem ich wohnte auch Erstaunen aus, aber egal ob am Obststand, auf der Straße (um nach der Richtung zu fragen) oder im Einkaufszentrum waren die Menschen stets zuvorkommend und hilfsbereit.
Insgesamt verbrachte ich sechs Wochen in Malaysia, arbeitete unter der Woche und reiste an den Wochenenden. Überall fiel mir diese Freundlichkeit auf, die negativen Erinnerungen betreffen Fahrten mit dem Taxi, da man lange verhandeln musste, bis man einen Preis genannt bekam, der einigermaßen zufriedenstellend war. Denn als Ausländer in Malaysia zahlt man an den meisten Orten wesentlich höhere Preise als ein Einheimischer.
Malaysia hat viele schöne Ecken zu bieten und einige Überraschungen. So kommt ein Bus garantiert nie pünktlich, eine Straßenbahn neigt sich sehr stark in Kurven und die vielen unterschiedlichen Kulturen zeigen dem Beobachter ein sich fortwährend veränderndes Straßenbild.
In chinesischen Vierteln erhält man Einblicke in die immer noch sehr stark von Chinesischen Bräuchen dominierte Kultur, obwohl Chinesen jetzt schon seit mehreren Generationen in China leben. Durch meine Kollegin, die mich zum Frühstücken mit auf einen solchen chinesischen Markt nahm, lernte ich einiges mehr kenne, als ich als normaler Tourist gesehen hätte. Als Tourist sieht man Nachtmärkte. Auch diese unterscheiden sich von Märkten in europäischen Ländern, sind jedoch sehr auf Profit ausgelegt und auf das Kaufverhalten eines Ausländers. Von Uhren über Reisetaschen bis hin zu T-Shirts und Geldbeuteln kann man alles kaufen. Treffen tut man auf solchen Nachtmärkten auch hauptsächlich Touristen, nur wenige Einheimische kaufen dort ein, wenn dann aber auch nur Essen.
Der chinesische Markt, den ich mit meiner Kollegin besuchte, war etwas völlig anderes. Die Eindrücke waren überwältigend und ich musste die ganzen unterschiedlichen Gerüche, Farben, und die optischen Eindrücke erst einmal verarbeiten. Am meisten faszinierte mich die Gans, die mich gebräunt und gebraten am frühen Sonntag morgen um acht Uhr erwartete. Ich sprach meine Kollegin auf das warme Essen am frühen Morgen an, worauf sie verwundert sagte, dass dies völlig normal sei. Ich war dann jedoch froh als wir an einem winzigen Tisch platzgenommen hatten und ich ein Weißbrot-ähnliches Gebäck mit Kokosnussbutter essen durfte. Meine Kollegin hingegen hielt sich an das warme Essen. Zum Frühstück konnte ich mir zu der Zeit noch keine fettigen Nudeln und Hühnchen vorstellen. Doch dies sollte sich schnell ändern, denn an der Arbeit gab es jeden Morgen etwas zu essen, meist warm. So aß ich morgens um 9 Uhr Reis und Hähnchen, warme indische Brote mit Gemüsedipp oder Nudeln mit Schweinefleisch.
In einem ganz normalen Straßenbild einer Stadt in Malaysia prallen Welten aufeinander. Inder in Saris, Chinesinnen in knappen Hosen und Malaien mit Kopfbedeckung sind ein alltägliches Straßenbild. Dies war für mich am Anfang erstaunlich. Doch man gewöhnt sich an viele ungewöhnliche Dinge und auch ich wurde nach einiger Zeit auf meinem täglichen Weg zur Arbeit nicht mehr beobachtet.
So ist es auch nicht weiter ungewöhnlich auf einer Autobahn drei Rollerfahrer zu erleben, die nebeneinander fahren wobei der mittlere von den beiden äußeren mit den Füßen geschoben wird. Am Anfang fielen mir solche Dinge verstärkt auf, am Ende der sechs Wochen wurde mir bei meiner Ankunft in Deutschland sehr schnell klar, wie einfach und unbeschwert ein Leben in Malaysia auch sein kann.
Malaysia ist ein Land, das mir mit seinen hügeligen Teelandschaften, den faszinierenden Städten, den riesigen Palmplantagen und den immer freundlichen Menschen sehr viel Freude bereitet hat und deshalb sehr empfehlenswert ist.

