Arbeiten in Asien / Jobs

Erfahrungsbericht China

Asien: Wüste bei Dunhuang

China befindet sich streng genommen auf demselben Kontinent wie Deutschland, denn Europa und Asien bilden zusammen das 55 Millionen Quadratkilometer große Eurasien. Dennoch ist das Land sowohl kulturell als auch geschichtlich so anders wie es nur sein kann. 1,3 Milliarden Menschen leben in China und machen es damit zum bevölkerungsreichsten Land und Chinesisch zur meist gesprochenen Sprache der Erde. Auch immer mehr Studenten treibt es in das Land der Gegensätze. Christoph (23) zum Beispiel entschied sich im Jahr 2006 sein Chemiestudium an der Uni Göttingen für zehn Monate zu unterbrechen und nach China zu gehen. Auf die Frage warum seine Wahl gerade auf dieses Land fiel, antwortet er: „Weil ich mich für China schon ziemlich lange interessiert habe: Für das Land an sich, für die Sprache, die Kultur und die Philosophie.“ Deshalb ergriff er die Initiative und belegte einen Sprachkurs im Rahmen eines Programms der Studienstiftung. Nach China ging er dann allerdings über seine Uni, die in Kooperation mit der Anhui Universität in Hefei steht (etwa 500 km von Shanghai entfernt). Bevor es losging nahm er erneut an einem Chinesisch-Intensivsprachkurs teil, um möglichst gut vorbereitet zu sein.

Das Internationale Büro der Uni Göttingen stellte ihm dazu einen Kontakt zu einem ortsansässigen Ansprechpartner her. Mit diesem konnte sich Christoph zu allen auftauchenden Fragen in Verbindung setzen. Die Studiengebühren in China wurden ihm ebenfalls erlassen, um alles weitere musste er sich jedoch selbst kümmern. Dies beinhaltete unter anderem die Auslandskrankenversicherung und den Flug. Die Beantragung des Visums war dagegen nicht ganz so einfach. Als er sich telefonisch danach erkundigen wollte, konnte ihm jedoch niemand so recht weiterhelfen, erinnert er sich. Bei der Recherche im Internet erfuhr er dann aber alles was er wissen musste.

Möchte man sich länger als sechs Monate in China aufhalten, werden die Vorlage eines Aids-Tests sowie eines Gesundheitszeugnisses verlangt. Da Christoph jedoch von seinem Vorgänger gehört hatte, dass die Chinesen das Zeugnis bereits bei einem falschen Stempel nicht anerkennen würden, entschied er sich abzuwarten und es in China abzulegen. Dort wurde er jedoch vergessen: „Ich musste das in China komischerweise gar nicht machen. Ich weiß also nicht, ob ich da der einzige war, der da drumrumgekommen ist...?“ In China wurde ihm dafür geholfen eine Aufenthaltserlaubnis zu bekommen. Diese konnte einfach bei der Polizei beantragt werden. Um die Immatrikulation an der Anhui Universität kümmerte sich bereits die Uni Göttingen.

Christoph mit seiner Fußballmannschaft

Christophs neues zu Hause war das Studentenwohnheim der Anhui Universität, wo er zusammen mit zahlreichen anderen international Studierenden untergebracht war. Zwei Leute teilten sich dabei jeweils ein Zimmer, erzählt er. Eine Küche gab es auch, allerdings war diese „sehr rudimentär oder eigentlich fast gar nicht ausgerüstet“, fährt er fort. „Aber das Essen ist da so günstig, dass wir eigentlich jeden Tag zweimal Essen gegangen sind. Das kostet dann nur etwa einen Euro pro Mahlzeit. So um den Dreh.“ Endlich einmal richtiges chinesisches Essen. Besonders gern mochte er dabei gan zha li ji, „das ist so Hühnerfleisch mit Panade drum und dann noch Sesam drauf.“

Christoph und seine Kommilitonen studierten in China ihr heimisches Fach nicht einfach weiter, sondern nahmen an einem Sprachkurs teil, der täglich von acht bis zwölf Uhr stattfand. Wer nun denkt, dass Christoph deshalb ziemlich viel Freizeit gehabt hätte, der irrt sich. „Vier Stunden hören sich zwar wenig an, wenn man das mit der Uni hier vergleicht, aber in dieser Zeit kann man ganz schön viele Vokabeln lernen.“ Dennoch saß er nicht die ganze Zeit auf seinem Zimmer und büffelte. Hatte er ein bißchen Zeit, verbrachte er diese oft mit den anderen auf dem Basketball- oder Fußballplatz.

Asien erleben: Chinesisches Schach

Aber Christoph wollte auch was vom Land sehen. Anfangs traute er sich noch nicht so ganz China auf eigene Faust zu erkunden, nach etwa der Hälfte seines Aufenthaltes konnte ihn jedoch nichts mehr halten. Seine Reise ging dabei einmal quer durch das Land und brachte ihn unter anderem zu dem Shaolin-Tempel in der Provinz Henan, sowie nach Xian, wo sich die Terrakotta-Armee befindet. Über 7000 lebensgroße Terrakotta-Soldaten erwarteten ihn dort, die einer vollständigen Armee nachgebildet wurden. In Donhuang besichtigte er die Mogao-Grotten und reiste dann weiter über Turpan und Ürümqi bis nach Kashgar, welche einen Teil der Seidenstraße bilden.

Die größeren Städte interessierten Christoph allerdings weniger, die Terrakotta-Armee fand er da schon besser, aber am meisten beeindruckt war er von Chinas Landschaften, allen voran dem tibetischen Hochland. „Da war ich meit zwei Chinesen die ich unterwegs kennengelernt habe. Das war ein ganz kleiner Ort und wir haben dort einige Tagestouren gemacht. Das war schon ziemlich beeindruckend.“ Auch von den Mönchen war er begeistert: „Dann waren wir in einem anderen Ort, da steht eines der sechs wichtigsten tibetischen Klöster und in der Zeit Anfang Mai waren kaum Touristen dort. Wir sind ganz früh morgens dahin und haben die Mönche da langlaufen sehen, das war schon sehr cool.“ In Chengdu gab es sogar noch Pandabären zu sehen. Zum Ende der Reise traf er sich mit ein paar Leuten aus seinem Kurs um über den Jangtse zu seiner Uni zurückzufahren. Die letzten Tage auf dem Boot bildeten so einen entspannenden Abschluß. Außerdem besuchte er zu anderen Zeitpunkten Beijing (Peking), Shanghai und Nanjing, sowie Hanjong.

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Probleme hatte Christoph während seiner Zeit in China so gut wie nie. Was ihn manchmal ein bißchen störte war das mangelnde Umweltbewußtsein seiner chinesischen Mitstudenten und ein gewisser Egoismus der an den Tag gelegt wurde. Dennoch bereut er seine Entscheidung nicht und würde einen Studienaufenthalt in China jedem empfehlen, der sich dafür interessiert und sich genügend Gedanken darüber gemacht hat. Als Tipp gibt er noch: „Wenn jemand China erleben möchte, sollte er sich über das Ziel Gedanken machen. Ich habe Beijing besucht und es ist halt schon sehr westlich. Shanghai ist nicht viel anders als eine Stadt wie Sydney oder London wenn man in den falschen Gebieten ist. Aber wenn man das nicht will, wenn man noch etwas echtes Chinesisches sehen will, dann muss man schon in eine Stadt wie Hefei gehen.“