Myanmar/Burma
Rudyard Kipling (Gedicht ‚Mandalay’) und Robbie Williams (Song ‚Road to Mandalay’) beschrieben auf ihre Weise Mandalay, oder zumindest den Weg dorthin. Dabei ist Mandalay mit einer Millionen Einwohnern nur die zweitgrößte Stadt von Myanmar. Mit 4,5 Millionen Einwohnern ist Rangun, die frühere Hauptstadt, eindeutig größer. Rangun und Mandalay sind daher auch die sehenswertesten Städte des Landes. In ersterer gibt es die große Shwedagon-Pagode, während in der Nähe von Mandalay die verlassenen Städte und die Mingun-Glocke, die größte Glocke der Welt, zu besichtigen sind. Buddhistische Sakralgebäude können fast überall gefunden werden.
Das südostasiatische Land hat Grenzen zu Bangladesh, Indien, China, Laos und Thailand, im Süden liegt der indische Ozean mit einigen indischen Inseln. In dem 677.000 km2 großen Land leben etwa 54 Millionen Menschen, von denen 90 % dem buddhistischen Glauben anhängen. Die Nation ist aus über hundert kleineren Völkern zusammengesetzt, die ihre jeweils eigene Sprache und Kultur einbringen. Das bei weitem größte Volk sind die Burmesen, die 70 % der Bevölkerung ausmachen. Weitere große Kulturgruppen sind die Shan, die Karen und die Padaung.
Lebte George Orwell noch, würde er sich sicher wieder in seine guten alten ‚Tage in Burma’ zurückwünschen. Obwohl der Roman eine Kritik an der britischen Kolonialpolitik ist, wie der einstig in Birma stationierte Polizeioffizier und spätere Schriftsteller sie während seiner Dienstzeit selbst erfuhr, lebten die britischen Besatzer und die Einheimischen damals, im 19. Jahrhundert, nach dem Motto ‚Leben und leben lassen.’ Seit 1962 herrscht in Birma allerdings die Militärjunta, die das Land in Union Myanmar umtaufte. Geläufig sind jedoch alle Namen: Birma und Burma ebenso wie Myanmar.
Nach der Kolonialzeit wurde Burma während des zweiten Weltkriegs kurzzeitig von japanischen Streitkräften besetzt, nach dessen Beendigung jedoch von den Briten zurückerobert, die das Land 1948 in die Unabhängigkeit entließen. Nur zehn Jahre währte die Zeit der demokratischen Regierung, danach übernahm das Militärregime die Macht. Es verstaatlichte viele Wirtschaftsunternehmen und verbraucht einen Großteil der Staatseinnahmen. Eine 1988 gewählte, demokratische Regierung aus der Oppositionspartei NLD wurde vom Militär für ungültig erklärt und sorgte somit für eine erste Welle der Demonstrationen.
Pressemitteilungen, die das Land verlassen, sind zumeist von der Regierung zensiert, der Wahrheitsgehalt der Meldungen daher nicht gesichert. Auch andere Menschenrechte wurden und werden oftmals verletzt: Es gibt nach wie vor Kindersoldaten, Zwangsumsiedlungen, nächtliche Ausgangssperren und eingeschränkte Informations- und Versammlungsfreiheit. Auch die Studienmöglichkeiten wurden durch die Regierung stark eingeschränkt, für die Studenten ist es schwierig an Bücher oder ausländische Medien zu gelangen. Durch derartige Beschränkungen sollen potentielle Studentenproteste im Keim erstickt werden.
Durch die lange Abschottung des Landes und die begrenzten Einreisemöglichkeiten wurde die traditionelle Kultur nur wenig von westlichen Einflüssen überlagert. Allerdings wurden auch westliche Errungenschaften in technischen und medizinischen Bereichen nicht eingeführt. So steigt nach Jahren die AIDS-Rate wieder an, obwohl die Regierung dies dementiert.
Da in Myanmar noch immer 70 % des Bruttonationalproduktes mit Hilfe der Landwirtschaft erwirtschaftet werden, gleichzeitig aber hohe Ausgaben des Militärs und eine Inflationsrate von bald 40 % die Finanzen belasten, ist Myanmar eines der ärmeren Länder der Welt. Dabei galt das Land vor der Machtergreifung des Militärregimes als die Kornkammer Südostasiens. Auch die Ausschöpfung der reichen Bodenvorkommen an Erdgas, Edelsteinen und Kupfer könnten der Wirtschaft Aufschwung verleihen. Die Schattenwirtschaft lebt dagegen sehr gut vom Export von Heroin und Amphetaminen.
Lange genährt durch die Unzufriedenheit mit der politischen Situation und angeblich seit bald 15 Jahren andauernden Beratungen über eine neue Verfassung (was Neuwahlen verhindert) wurden 2007 die burmesischen Protestkundgebungen wieder angefacht. Mit einer Steigerung der Kraftstoffpreise um 500 % wurde seit dem 15. September 2007 erneut Schwung in die schon jahrelang andauernden, zumeist aber unterschwellig durchgeführten, Demonstrationen gebracht. Angeführt von buddhistischen Mönchen und Nonnen steigerten sich die friedlichen Proteste in großen Städten wie Rangun und Mandalay innerhalb nur weniger Tage auf eine Teilnehmerzahlen von 100.000. Anfangs nur durch Präsenz, nach einer Woche auch mit Gewalt, versuchte das Militär die Demonstrationen niederzuschlagen. Offizielle Meldungen geben dabei 13 Tote an, es wird aber von mehr als 200 Toten und Verletzten ausgegangen. Sanktionen des UN-Sicherheitsrates konnten wegen des Widerspruchs von China und Russland noch nicht durchgesetzt werden. Die Demonstrationen dauern an.

