Rajasthan
So wie ganz Indien ist Rajasthan kaum mit einem einzigen Ausdruck zu beschreiben und doch kann man es wagen – Rajasthan ist der „Staat der Farben.“ Die pinke Hauptstadt Jaipur, die blue city Jodhpur, die goldene Wüstenstadt Jaisalmer. Das durchdringend marmorweiße „Taj Mahal“ in Agra, das knallige rote Pulver beim jährlichen Holi-Fest, dem „Fest der Farben.“ Es gibt ein Elephanten-Fest, bei dem Tiere von oben bis unten bunt bemalt werden wie Clowns. Und die Saris der Frauen erstrahlen im ganzen Staat in allen Farben des Regenbogens.
Rajasthan ist aber kein liebreizendes Traumland sondern ein sehr stark von Not und Armut geprägter Bundesstaat. Von einem aufstrebenden Indien ist hier im Nordwesten des Landes vielerorts nichts zu spüren, Rajasthan ist ein harter, verdorrter Wüstenstaat. Es liegt an der Grenze zu Pakistan und der Konflikt Indiens mit dem Nachbarland ist in Rajasthan ständig zu spüren. Für die 56 Millionen Menschen ist es ein täglicher Kampf ums Überleben, für Touristen ein täglicher Kampf zwischen Wunsch und Realität. Unsere verträumten Vorstellungen sind geprägt von geheimnisvollen Wüstenlandschaften, atemberaubenden Festungen und bunten Straßenszenen – die Realität ist oftmals bittere Armut, Bettelei, Dreck und Schmutz. Doch immer wieder treffen auch die Wunschvorstellungen zu und so ist man als Besucher ständig hin- und hergerissen zwischen Faszination und Mitleid. Hinter jeder Ecke kann Himmel oder Hölle auftauchen, lauert die nächste Überraschung.
Die rar gesäten Städte Rajasthans sind fast alle Touristenattraktionen. Rar gesät, da fast zwei Drittel des Staates aus Wüstenlandschaft bestehen. Rajasthan allein ist übrigens von der Fläche her schon so groß wie Deutschland. Die meisten Reisenden landen aber zunächst in Indiens angrenzender Hauptstadt Delhi. Die Route Delhi-Agra-Jaipur ist als das „Goldene Dreieck“ bekannt und stellt die beliebteste Reiseroute ganz Indiens dar! Doch auch die Städte Rajasthans mitsamt ihrer Sehenswürdigkeiten präsentieren sich als zweischneidiges Schwert: Man bestaunt das weltberühmte „Taj Mahal“ in Agra und wundert sich zugleich über den Stacheldraht rund um den „Palast der Liebe“. Man freut sich über die bunt bemalten Elefanten Jaipurs und ärgert sich über deren Quälerei durch Aufseher und Touristen. So ergeht es einem in den meisten Städten Rajasthans – überwältigende Schönheit und erschütternde Härte liegen oft nah beieinander.
Ebenfalls stets überraschende Erlebnisse bieten die Kontakte mit Menschen. Gibt es einen einzigen Platz in Indien, auf dem man keinen Menschen trifft? Es wimmelt von ihnen. Inder sind oft sehr aufdringlich, legen einem den Arm um die Schulter und berühren die Haare. Dabei sind sie immer sehr freundlich und lachen viel. Die gute Laune kann aber auch schnell verflogen sein, wenn man ihnen nicht in das Geschäft ihres Bruders folgen will. Dann sind sie meist so schnell verschwunden wie sie erschienen sind. Mit Frauen hat man als Tourist dagegen fast gar keinen Kontakt. Rajasthan bedeutet „Land der Könige“ und die Männer herrschen auch heute noch wie die Könige. Aus diesem Grund sind in der Kategorie „Menschen“ auch fast ausschließlich Begegnungen mit Männern aufgeführt. Übrigens trifft man als Tourist nicht nur Inder sondern auch viele nicht-asiatische Menschen. Reisende aus Europa, Australien und den USA, Menschen, die sich in Indien niedergelassen haben und Studenten im Auslandssemester. Sie alle sind ebenfalls in der Kategorie „Menschen“ vertreten.

