Delhi
Für viele Touristen ist Delhi nach der Landung die erste Station in Indien und damit vor allem eines: ein Schock! Schmutz, Staub, Bettler, Kinder, aufdringliche Händler, Elefanten, Taxifahrer, Kamele, Rikschas, Lärm und Gestank – die vollendete Überforderung. Man kann noch so gut vorausplanen, sich informieren, sich innerlich auf das Chaos einstellen, die Wucht Indiens trifft einen in Delhi mit der ganzen Breitseite. Gedanken an Bewusstseinserweiterung und einen romantischen Urlaub werden erst einmal hinweggefegt.
Doch soll der erste Eindruck nicht über die schönen und bisweilen sogar als „ruhig“ zu bezeichnenden Plätze hinwegtäuschen. Man kann die verschiedenen Stadteile Delhis geradezu erschnuppern: Im Motorrad-Viertel „Karol Bagh“ stapeln sich die Reifen meterhoch und es riecht nach Motoröl, verbranntem Gummi und Qualm. In „Old Delhi“ herrschen eher Räucherstäbchen, Blumen und exotische Früchte vor. Und auf dem endlosen Basar von „Paharganj“ vernebelt einem die drogendurchsetzte Luft die Sinne.
In Delhi prallen zahlreiche Welten aufeinander. Moderne Nobelkarossen rasen neben einem Fahrradfahrer, der 20 Autoreifen auf seinen Gepäckträger gebunden hat (die Gesetze der Schwerkraft scheinen für diese Menschen nicht zu gelten). Hindus und Muslime leben und arbeiten zusammen. Hunde werden getreten und Kühe leidenschaftlich verehrt. Uralte Traditionen treffen auf moderne Architektur und Lebensweise.
Am deutlichsten zeigt sich die Vereinigung dieser verschiedenen Welten in dem Vergleich von „Old Delhi“ und „New Delhi“. Delhi bezeichnet ein eigenständiges Unionsterritorium, ist quasi ein unabhängiger Bundesstaat Indiens. Es besteht aus den beiden Städten „Delhi“ und „New Delhi“. Delhi ist alt, verwinkelt und mit über 11 Millionen Einwohnern typisch indisch. New Delhi hat nur etwas mehr als 300.000 Einwohner und ist stark von den britischen Kolonialisten geprägt. Zusammen werden die beiden Städte meist einfach „Delhi“ genannt.
Die meisten Sehenswürdigkeiten befinden sich in Old Delhi, wie etwa die große Sandsteinfestung Red Fort. Die Jama Masjid ist die größte Moschee Indiens und Paharaganj die Reeperbahn Old Delhis. In New Delhi dagegen geht es etwas europäischer und gesitteter zu. Hier ist vor allem der Connaught Place hervorzuheben, der klassische Säulen, einen ruhigen Park und große Bürohäuser zu bieten hat. Hier erahnt man den Fortschritt Indiens.

