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Indien

Der exotische Klang indischer Musik liegt in der Luft. Hübsche, in ihren Saris bunt bekleidete junge Frauen bewegen sich anmutig dazu, klimpern betörend mit den Augen und schwingen rhythmisch ihre Hüften. Eine Szene, die spätestens seit dem Einzug der Bollywood-Filme in die deutsche TV-Landschaft auch hierzulande bekannt ist. Diese Liebesfilme machen uns glauben, Indien sei ein Land der Romantiker und Sänger (wobei der Klang der Sprache Hindi aus jedem Sänger einen Romantiker zu machen scheint).

Dabei steht einem Großteil der 1,1 Milliarden Einwohner Indiens wahrscheinlich eher nicht der Sinn danach: Über ein Viertel der Einwohner lebt unterhalb der Armutsgrenze mit weniger als einem Dollar pro Tag um sich zu ernähren. Das Problem der Armut ergibt sich sowohl in den ländliche Gebieten, aus denen die Bewohner wegziehen, als auch in den Millionen-Städten wie Mumbai oder Neu-Delhi, die nicht ausreichend Arbeitsplätze für alle Zugezogenen aufbringen können. Ein Bevölkerungswachstum von 1,4 % pro Jahr wird die Lage Indiens auf lange Sicht eher nicht bessern. Indien ist ein kulturell, religiös und politisch sehr vielfältiges Land. So wird es, obwohl ein laizistischer Staat, geprägt von Hinduismus, Buddhismus, Christentum, Islam und vielen weiteren kleinen Religionen. Neben den Hauptsprachen Hindi und Englisch, sind 21 andere Sprachen offiziell anerkannt.

Arbeiten in Indien Mit 3,3 Mio km2 neunmal so groß wie Deutschland, liegt Indien als sehr fruchtbares Land auf der südasiatischen Halbinsel. Viele große Flüsse, wie beispielsweise der Ganges oder der Brahmaputra, durchqueren das Land und machen die Region deshalb sehr fruchtbar und den Anbau von Reis möglich, wobei Indien weltweit das zweitgrößte Reisanbauland ist. Der alljährlich von Juni bis September Regen bringende Monsun ist Segen und Fluch zugleich für das Land. Die wochenlangen Regenfälle sorgen nach der vorangegangenen Trockenperiode für die nötige Bewässerung der landwirtschaftlich genutzten Felder, führen aber auch immer wieder zu Hochwasser, welche Tausende von Menschen obdachlos zurücklassen. Wenn der Monsun aber einmal ausfällt, ist die Katastrophe ebenso groß wie bei einer Überschwemmung: das Land ist zu trocken und die landwirtschaftlichen Erträge fallen aus.

Seit dem 17. Jahrhundert ist Indien auch wirtschaftlich ein wichtiger Faktor. Damals drang Großbritannien in den asiatischen Kontinent vor. Mit der Gründung der East India Company im Jahr 1600 verband Königin Elizabeth I. eine Handelsgruppe, die bis Mitte des 19. Jahrhunderts nicht nur einen Handelsmonopol für natürliche Produkte wie Tabak, Tee, Kaffee, Baumwolle, Zuckerrohr usw., innehatte, sondern mit der Zeit auch die Regierungsmacht über die Kolonie Indien ausübte. Diese endete allerdings mit einem Aufstand gegen die Ausbeutung durch die Briten der, unter britischer Befehlsmacht, indischen Truppen in der Sepoy-Rebellion. Trotzdem wurde die englische Königin Victoria 1876 Kaiserin von Indien. Nach zahlreichen Aufständen und schrittweiser Machtübernahme in regionaler Politik, erreichte Indien 1947, unter großem Zutun von Mahatma Gandhi, seine Unabhängigkeit. Seit 1950 ist das Land eine Republik und folgt strikt demokratischen Prinzipien.

Nach wie vor kriselt es in der Beziehung zwischen Pakistan, das ehemals zu Indien gehörte, und der zu Indien gehörenden Region Kashmir. Nach der Trennung der beiden Staaten wurden fast 20 Millionen Menschen aus ihrer Heimat vertrieben: Die Hindus mussten Pakistan und viele Muslime mussten Indien verlassen. In der Grenzregion leben aber dennoch sowohl Hindus als auch Muslime, die jeweils Gebiete des anderen Staates für sich beanspruchen wollen. Terroristische Anschläge auf beispielsweise Züge haben deshalb in der Vergangenheit gelegentlich für Schlagzeilen gesorgt.

Die Einordnung in die gängige Einteilung in Industrienation und Entwicklungsland fällt bei Indien schwer. Wegen des niedrigen Pro-Kopf-Einkommens, der weitverbreiteten Armut und Arbeitslosigkeit, sowie wegen der ungleichen Verteilung des Einkommens zählt Indien zu den Entwicklungsländern. In wirtschaftlicher Hinsicht ist das Land jedoch fast eine Industrienation. In der Informationstechnologie und Pharmazie liegt Indien in Spitzenpositionen. Zum wirtschaftlichen Erfolg trägt auch die Bollywood-Filmindustrie bei, die zudem auch für eine kulturelle Verbindung zu anderen Ländern sorgt. Ein Blick in den nächsten Buchladen reicht, um eine Reihe an Einführungen in die Indische Tanz- und Kochkunst zu entdecken.