Arbeiten in Asien / Jobs

Arbeiten in Asien

Wer in Asien arbeiten möchte, sollte sich zuerst einmal darüber klar werden daß eine ganz andersartige und fremde Arbeitswelt auf ihn oder sie zukommen wird. Sitten und Gebräuche sind nicht mit Deutschland vergleichbar und auch die Sprache stellt letztendlich eine größere Hürde dar. Dennoch ist der Gedanke nach Asien zu gehen keineswegs absurd, im Gegenteil: Die wirtschaftlichen Beziehungen, vor allem zu China, nehmen an Bedeutung zu. Warum also nicht selbst einmal in China oder einem anderen asiatischen Land wie beispielsweise Japan arbeiten? Mit was man im Voraus rechnen sollte und was genau so anders an der anderen Hälfte des eurasischen Kontinents ist, soll nun im Folgenden kurz beschrieben werden.

Allgemein gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man arbeitet in einem deutschen, bzw. internationalem Unternehmen in Asien, oder aber man bewirbt sich direkt bei einem asiatischen Konzern. Hierbei sollten allerdings die nötigen Sprachkenntnisse vorhanden sein. Fällt die Entscheidung beispielsweise auf ein japanisches Unternehmen, gilt, daß, wie auch in Deutschland, 40 Stunden die Woche gearbeitet wird; theoretisch. Denn die Japaner schieben häufig und gerne Überstunden. Ihr Anrecht auf bezahlten Urlaub von zehn bis zwanzig Tagen, lassen sie nicht selten verfallen, denn wird nicht lang genug gearbeitet, wird man schnell als faul angesehen. Wer sich nicht anpasst hat bei der nächsten Beförderung keine guten Karten, je länger man im Büro bleibt, desto besser also. Auf den Gedanken noch vor dem Chef in die heimischen Gefilde zu kehren, sollte man lieber gar nicht erst kommen. So bleibt einem im Prinzip keine andere Wahl als zum Workaholic zu werden. Und auch nach der Arbeit ist es oft noch nicht getan. Die Zeit sollte nicht zu oft zu Hause verbracht werden, sondern mit anderen Kollegen, zum Beispiel beim Karaoke.

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Um aber überhaupt einen Arbeitsplatz in Japan zu bekommen, ist es von Vorteil Beziehungen zu haben. Viele der dort arbeitenden Deutschen sind über japanische Kontakte in ihre neuen Positionen gelangt. Nichtsdestotrotz ist es wichtig auch in der Heimat Kompetenz bewiesen zu haben und Japanischkenntnisse vorweisen zu können. Wer also schon während seiner Ausbildung weiß, daß er einmal in Japan arbeiten möchte, sollte sich überlegen schon im Rahmen des Studiums dorthin zu reisen und erste Erfahrungen zu sammeln.

Was für einen Europäer nur unwichtige Kleinigkeiten sind, können in Japan von großer Bedeutung sein. Meist setzen Japaner das Wissen über die richtigen Verhaltensregeln jedoch nicht voraus, zumindest nicht von einem Fremden. Wer aber weiß wie man sich in Japan richtig begrüßt oder eine Visitenkarte anständig überreichen kann, wird viele Pluspunkte sammeln. So ist beispielsweise eine Verbeugung einem Handdruck vorzuziehen und die Visitenkarte wird mit beiden Händen übergeben und auch mit beiden Händen angenommen. Dann sollte sie nicht einfach weggesteckt, sondern eifrig studiert werden.

In China dagegen lässt sich teilweise auch ohne die Landessprache eine Arbeitsstelle finden, denn häufig wird in den dort ansässigen Unternehmen Englisch oder sogar Deutsch gesprochen. Zur Zeit haben besonders Ingenieure, Maschinenbauer und Betriebswirtschaftler gute Chancen einen Job zu finden. Genauso wie in Japan gilt, daß länger gearbeitet wird als in Deutschland. Die Überstunden bleiben dabei unbezahlt. Dennoch haben chinesische Mitarbeiter auch einmal frei. Feiertage werden in China zusammengezogen und zwar dreimal zu je drei Stück. Hier ist es üblich das Wochenende zuvor durchzuarbeiten, im Folgenden erhalten die Mitarbeiter dann eine ganze Woche frei. Dem Chef sollte immer genügend Respekt gezollt werden. Kritik und Lästern mit oder über andere Kollegen bringt einen in China nicht weiter, Höflichkeit dagegen schon.

Wer als Deutscher in China arbeitet, fällt in das sogenannte Doppelbesteuerungsabkommen zwischen China und Deutschland. Das heißt, die Steuern müssen in demjenigen Land gezahlt werden, in dem man sich mehr als 182 Tage im Jahr aufhält. China hat dabei ein progressives Staffelungssystem, welches bei 5 % Besteuerung anfängt und sich bis auf 45 % steigert. Wer also mehr als 100.001 chinesische Renminbi (~9365 Euro) verdient, fällt in die oberste Kategorie. Weiterhin werden Renten- und Arbeitslosenversicherung gegenseitig anerkannt. Einige deutsche Unternehmen bieten Einsteigerprogramme oder Praktika in China an, dazu gehören unter anderem Siemens, Bosch und Volkswagen.

Auch Indien bietet dem Suchenden einen breiten Arbeitsmarkt. Vor allem die Unternehmen Bosch, IBM und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG bieten Einstiegsberufe für Indien-Interessierte an. Da sehr viele deutsche Unternehmen einen weiteren Standort nach Indien gelegt haben, bietet sich hier die Möglichkeit direkt über ein heimisches Unternehmen für einen begrenzten Zeitraum nach Indien zu gehen. Dies erspart die Stellensuche auf eigene Faust. Der Arbeitgeber bietet zudem Unterstützung bei der Suche nach einer Unterkunft und vorbereitenden Sprachkursen.

Die Arbeitsbedingungen sind anders als in Deutschland. Kontakte spielen eine noch größere Rolle als die berufliche Qualifikation. Anderen gegenüber sollte man immer möglichst respektvoll sein, besonders Älteren und dem Vorgesetzten, Unfreundlichkeit könnte sich sonst zum Nachteil auswirken. Höflichkeit ist derart wichtig, dass auch schon eine kleine Kritik sehr negativ aufgefasst werden kann. Als Fremder sollte man daher nicht zu direkt sein, erst wenn sich eine gewisse Beziehung zwischen beiden Parteien herausgebildet hat, können Kommentare offener und ehrlicher ausfallen. In Indien ist fast jeder staatlich krankenversichert. Dies gilt auch für einen Arbeitnehmer, der sich in Indien aufhält. Allerdings sind die beinhalteten Leistungen geringer als in Deutschland. Wer also auf Nummer sicher gehen möchte, sollte sich ergänzend selbst versichern. Fragen zu internationalen Versicherungen können die jeweiligen Krankenkassen beantworten.

Eine andere Möglichkeit für den Berufseinstieg stellen Praktika dar. Der Softwarehersteller SAP bietet beispielsweise Plätze für Studenten im Hauptstudium für drei bis sechs Monate an. Eine Aufwandsentschädigung wird gezahlt, sowie für die Unterkunft gesorgt. Für die Anreise muss in diesem Fall jedoch selbst aufgekommen werden. Das Arbeitsklima selbst ist in Indien ebenfalls ganz anders als in Deutschland. Pünktlichkeit ist beispielsweise keine Voraussetzung. Geschäftsbesprechungen können daher auch einfach eine halbe Stunde später als zum vereinbarten Zeitpunkt beginnen. Feste Geschäftszeiten gibt es ebenfalls nicht. Gearbeitet wird einfach solange, bis der Gewinn stimmt. Situationsbedingt wird deshalb mal mehr und mal weniger intensiv gearbeitet.

Findet eine Geschäftsbesprechung statt, sollte das Outfit genau wie in Deutschland auch aus Hose, Hemd, Krawatte und gegebenenfalls Jackett bestehen. Unter Kollegen muss es natürlich nicht ganz so formell sein. Geschäfte werden nach Feierabend gemacht, neue Kontakte trifft man ebenfalls nach der Arbeit. Beim Essen oder auch bei einem Drink wird alles geregelt was für den Vertrag von Wichtigkeit ist. Für das Essen selbst gilt, dass nur die rechte Hand für die Nahrungsaufnahme verwendet werden sollte. Die linke Hand gilt in Indien als unrein und sollte stets unter dem Tisch gelassen werden. Sollte es mit dem essen gar nicht klappen, ist es jedoch gestattet die linke Hand dazu zu benutzen um der rechten Hand die Speise zuzuschieben (aber nur mit Besteck!). Sie selbst darf allerdings nicht zum Mund geführt werden.

Lernt man einen neuen Geschäftspartner oder Kollegen kennen, werden zuerst Visitenkarten ausgetauscht. Diese muss nicht wie in Japan mit beiden Händen übergeben werden, sollte aber genauso intensiv studiert werden, bevor man sie wegsteckt. Andernfalls könnte dies als unfreundlich empfunden werden. Bei Gastgeschenken ist es gut einen Elefanten zu verschenken, denn diese gelten in Indien als Glücksbringer (der Rüssel sollte sich auf der rechten Seite befinden und nach oben zeigen). Niemals schenken sollte man dagegen die Göttin Lakshimi, denn dies würde bedeuten, dass man sein Hab und Gut verschenkt. Indische Nelken stellen ebenfalls ein großes Tabu dar, weil sie normalerweise bei Beerdigungen benutzt werden.